Die Schafe und der Wolf - Schüler-Fabel
Die Schafe und der Wolf - Schüler-Fabel
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Die Schafe und der Wolf
Auf einer weiten Wiese lebte eine Herde Schafe mit ihrem Hirten. Eines Frühlings wurden zwei Lämmer geboren: eines mit schneeweißer, das andere mit tiefschwarzer Wolle.
Die Mutter wandte sich fast nur dem weißen Lamm zu. Das schwarze blieb oft allein. Keiner spielte mit ihm, und es fühlte sich ungeliebt.
Als der Sommer kam, schlich ein Wolf am Zaun entlang. Die Herde geriet in Panik und floh. Nur das schwarze Lamm blieb stehen. „Es ist mir gleich“, dachte es traurig, „ob ich entkomme oder nicht.“
Der Wolf sah das und trug es in seine Höhle. Dort öffnete er das Maul und hielt inne. „Warum schaust du so traurig?“, fragte er. Das Lamm antwortete: „Niemand hat mich lieb, weil meine Wolle schwarz ist.“
Der Wolf nickte langsam. „Ich kenne Hunger“, sagte er, „aber Einsamkeit beißt tiefer.“ Er schloss sein Maul und sprach: „Wir können Freunde sein. Ich werde dich nicht fressen.“
Gemeinsam kehrten sie zur Wiese zurück. Der Wolf stellte sich zwischen das Lamm und die Gefahr und rief der Herde zu: „Eine Farbe macht kein Herz!“
Die Schafe schämten sich. Die Mutter drückte ihr schwarzes Lamm an sich. Von da an bekam es genauso viel Schutz und Liebe wie das weiße.
Der Wolf und das schwarze Lamm blieben Freunde. Und die Herde lernte, mit gleichen Augen zu sehen.
Lehre: Urteile nicht nach dem Aussehen – alle verdienen gleiche Wertschätzung.
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