Seite:Schiller Musenalmanach 1799 182.jpg

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<poem>

120

     Und die Sonne geht unter, da steht er am Thor

Und sieht das Kreutz schon erhöhet, Das die Menge gaffend umstehet, An dem Seile schon zieht man den Freund empor, Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:

125

„Mich Henker! ruft er, erwürget,

Da bin ich, für den er gebürget!“

     Und Erstaunen ergreifet das Volk umher, In den Armen liegen sich beide, Und weinen für Schmerzen und Freude.

130

Da sieht man kein Auge thränenleer,

Und zum Könige bringt man die Wundermähr, Der fühlt ein menschliches Rühren, Läßt schnell vor den Thron sie führen.

     Und blicket sie lange verwundert an,

135

Drauf spricht er: Es ist euch gelungen,

Ihr habt das Herz mir bezwungen, Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn, So nehmet auch mich zum Genossen an, Ich sey, gewährt mir die Bitte,

140

In eurem Bunde der dritte.

</poem>

SCHILLER.
<references group=""></references>
Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Schiller (Hrsg.): Musen-Almanach für das Jahr 1799. Tübingen: J. G. Cottaischen Buchhandlung, 1797, Seite 182. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://moocwiki.org/index.php?title=Seite:Schiller_Musenalmanach_1799_182.jpg&oldid=15880 (Version vom 30.5.2022)